ÜBUNG DES PRAKTISCHEN LEBENS

„ Man muss den Tätigkeitsdrang des Kindes soweit wie möglich unterstützen, es nicht bedienen, sondern zur Selbständigkeit anregen.“

(Maria Montessori)

In der Montessori-Pädagogik sind die Übungen des praktischen Lebens Hilfen für das Kind, seine Unabhängigkeit zu erobern. Sie helfen ihm, seine Bewegungen, die es in seinem Alltag braucht, zu ordnen, zu koordinieren und zu verfeinern. Es sind Übungen, die den Kindern in kleinen, deutlichen Schritten zeigen, wie man Hände wäscht, wie man Schleifen bindet, wie man Schuhe an- und auszieht und wie man diese putzt, wie man Knöpfe oder einen Reißverschluss zubekommt, wie man Wasser in einen Becher gießt, wie man Reis schüttet, wie man Silber putzt, wie man Wäsche faltet, Zimmerpflanzen pflegt, wie man kehrt, Spülmaschine ein- und ausräumt und vieles mehr. Dadurch kommt das Kind zunehmend im Alltag alleine zurecht und wird immer unabhängiger vom Erwachsenen. Im Kinderhaus, wie auch in der Familie, ist es wichtig, den Kindern außer der notwendigen Zeit für all diese Dinge auch die Gelegenheit zu geben, vor allem bei den häuslichen Arbeiten mitzumachen. Sie lernen, füreinander Tisch zu decken, Gegenstände zu holen und zu bringen, mit echtem Geschirr behutsam umzugehen, es zu spülen und an den dafür vorgesehenen Platz zurückzubringen, kultiviert miteinander zu speisen und vieles mehr.


Dies hört sich einfach an. Für Kinder aber ist es ein langer Lernweg. So ist es selbstverständlich, dass die Arbeiten der Kinder anfänglich nicht so perfekt sein werden, wie wir es als Erwachsene erwarten. Ein von Kindern geputztes Fenster oder ein von ihnen in seiner Gänzlichkeit gedeckter Tisch sollte auch nicht von uns nachkorrigiert werden. Die Erwachsenenvorstellung sollte hier in den Hintergrund treten. Wichtig ist dabei nur der Spaß an der Bewegung und am Tun. Die meisten Materialien des „Täglichen Lebens“ finden wir im Essbereich unseres Kinderhauses. Die Utensilien sind in Körbchen gelegt, geordnet und gekennzeichnet, um bei Bedarf schnell darauf zurückgreifen zu können.


Jedoch ist „Tägliches Leben“ überall im Haus! Kinder besitzen die Fähigkeiten, sich ihrer Umwelt anzupassen. Sie sind bestrebt, alle Tätigkeiten, die der Erwachsene macht, zu beobachten und ebenfalls verrichten zu wollen. Die Übungen des „Täglichen Lebens“ ermöglichen ihnen, ihre Umgebung wahrzunehmen, ihre Motorik zu entwickeln, eine Art geistige Ordnung zu schaffen sowie viele wünschenswerte Eigenschaften durch spontane, zielgerichtete Aktivitäten zu erlernen. Sie beobachten genau unseren Umgang und unser Handeln. Weil Kinder sich an Erwachsenen orientieren, werden sie die Gemeinschaft pflegen, so wie wir sie pflegen. Sie werden soziale Beziehungen gutheißen, wenn wir es ihnen zeigen. Sie werden Verantwortung übernehmen und über sich hinauswachsen. Geben wir ihnen doch diese Chance!